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Mit Schwung in die Integration

Abdul Rauf Salifu macht seine dreijährige Praxisorientierte Ausbildung (kurz PIA) zum Erzieher im Kinderhaus Bullerbü des DRK-Kreisverbandes Ravensburg in Weingarten. Der gebürtige Ghanaer arbeitet nicht nur gerne mit Kindern, sondern gestaltet aktiv seine Integration in Deutschland.

Abdul Rauf Salifu macht eine vierjährige Praxisorientierte Ausbildung zum Erzieher. In seiner Praxisphase arbeitet er derzeit im Kinderhaus Bullerbü.

Unter Getöse stürmen die Kinder ins Haus. Das Spiel an der frischen Luft hat sie die kalten Temperaturen vergessen lassen. Jetzt naht die Mittagszeit im Haus Bullerbü. Einige der Kleinen stürzen sich auf Abdul Rauf Salifu. Ein blonder Junge hängt sich ihm von hinten über die Schultern, während er in der Hocke sitzt und den Kindern hilft, die warmen Jacken und die sandigen Schuhe auszuziehen.

Der 29-Jährige stammt aus Ghana. Dort hat er acht Geschwister, von denen er der Älteste ist. Nach Deutschland zog es ihn vor vier Jahren der Liebe wegen. Seine deutsche Frau hat er in Ghana kennengelernt, als sie in einem Waisenhaus arbeitete.

„Ich hatte immer mit Kindern zu tun“, schildert er seine Motivation den Beruf des Erziehers zu lernen. Sein Gesicht strahlt dabei, wie so oft. In seinem Heimatland hat er sich drei Jahre zum Lehrer ausbilden lassen und anschließend zwei Jahre in seinem Beruf gearbeitet. Seine Ausbildung wird in Deutschland jedoch nicht anerkannt. Ein wenig kann er das verstehen: Die Ausbildungen in den beiden Ländern seien sehr unterschiedlich. „Ich muss hier alles von vorne anfangen“, erklärt er. „Aber ich fühle mich wohl.“ Zunächst machte er seinen Sprachkurs Stufe B2 in Stuttgart. Auch das einjährige Berufskolleg als Zulassungsvoraussetzung für die Ausbildung absolvierte er.

Neubeginn im fremden Land
Nach Wilhelmsdorf kam er auf Empfehlung einer Bekannten. Zunächst machte er ein Praktikum im Kinderhaus St. Johann in Zußdorf. „In Ghana“, beschreibt er, „bleiben behinderte Menschen eher in ihren Familien.“ Bis heute pflegt er den Kontakt zu den Kindern in Zußdorf. Ein Jahr Praktikum im Waldkindergarten folgte. „Für die Integration ist das Wichtigstes, dass man die Sprache spricht“, sagt er in gutem Deutsch. Dies würde er auch immer wieder den Gläubigen in Wilhelmsdorf empfehlen, von denen manche lieber ihre Muttersprache sprechen würden. Vor seiner Ausbildung engagierte er sich in der dortigen Moschee als Imam. Da Abdul Rauf Salifu auch Arabisch spricht, kann er übersetzen und zwischen den unterschiedlichen Kulturen der Gläubigen vermitteln. Den Koran kannte er bereits vollständig, bevor er selbst mit elf zur Schule durfte. Und dies auch erst nach Überzeugungsarbeit eines Lehrers. Heute sei der stets strenge Vater froh, dass sein Sohn die Schule besuchte.

Priorität Ausbildung
Während seiner Ausbildung hat Abdul Rauf Salifu im Wechsel drei Tage Praxis im Kinderhaus und zwei Tage Unterricht im Institut für soziale Berufe in Ravensburg. Da Arbeit und Schule viel Zeit in Anspruch nehmen, engagiert er sich nur noch am Wochenende in der Moschee. „Die Dörfler waren immer begeistert und haben uns unterstützt“, schildert er das Zusammenwachsen in Wilhelmsdorf. Neben der Sprache ist für Abdul Rauf Salifu besonders wichtig, dass man die Kultur kennenlernt. Und zwar gegenseitig. Auch die Deutschen sollten sich für die Kulturen der Zugewanderten interessieren. Nur so könne Verständnis entstehen und Vorurteile abgebaut werden. Bei den Kindern sei seine afrikanische Herkunft nie ein Thema gewesen. Sie seien sehr empfindsam und würden ganz normal mit ihm umgehen.

Erst kürzlich hat er sich die Haare ganz kurz schneiden lassen. Kinder und Kollegen ist dies sofort aufgefallen. Oft haben sie ihn darauf angesprochen und auch Späße über seine kurzen Haare gemacht. Abdul Rauf Salifu freut es, wenn andere auch auf diese Weise zeigen, dass er ihnen nicht egal ist. Und er strahlt dabei.

28. November 2016 20:39 Uhr. Alter: 2 Jahre