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Teams aus Mensch und Tier retten Leben

RAVENSBURG/MOCHENWANGEN – Laut knackst es im Unterholz: Caro Otto zwängt sich durch das Dickicht eingepackt in Schutzkleidung, die Nässe und Dornen abhält. Voraus eilt ihr Hund Wutz auf der Suche nach zwei Frauen, die von der Pilzsuche nicht zurückkehrt sind. Über Funk hat Caro Otto sich Merkmale der beiden durchgeben lassen – das Alter, das Aussehen, Kleidung – und natürlich das vermutete Suchgebiet. Was durchaus ein Ernstfall sein könnte, ist glücklicherweise eine Inszenierung bei der wöchentlichen Übung der Rettungshundebereitschaft des DRK-Kreisverbandes Ravensburg.

Als erstes lernen die Hunde, beim gefundenen Opfer zu bleiben: Die angehende Ausbilderin Jaqueline Oelhaf übt mit den Tieren und ihren Besitzern.

Mensch und Tier bilden eine verlässliche Einheit bei der Rettungshundebereitschaft des DRK-Kreisverbandes Ravensburg: Carolin Schneider, ein neues Mitglied, die von Rettungshund Apollo im Wald gefunden wurde.

Caro Otto (2.v.r.) und Wutz machen sich für ihre Suche bereit: Instruktionen erhält sie von Julia Hasel, stellvertretende Bereitschaftsleiterin bei der DRK-Ortsgruppe Mochenwangen und Mitglied der Rettungshundebereitschaft, Jaqueline Oelhaf, angehende Ausbilderin und Franz Blaser, Leiter der Rettungshundebereitschaft beim DRK-Kreisverband Ravensburg. Zusammen mit Caro Otto und Wutz machen im Oktober zwei weitere Teams ihre Prüfung.

In schwer zugänglichem Gelände und unter erschwerten Wetterbedingungen haben Caro Otto und ihr Hund Wutz die vermissten Frauen gefunden.

Geübt wird bei Wind und Wetter: Auch die Technik wie Funk und Orientierung, nicht nur in den Einsatzfahrzeugen wird dabei geübt. Rolf Schönebeck (rechts), der als Einsatzleiter üblicherweise die Einsätze führt, übt mit den Anwärterinnen Brigitte Skirde (links) und Christiane Krug das Funken im Beisein von Bereitschaftsleiter Franz Blaser.

Einsätze wollen geübt sein

Schnell ist die erste Person gefunden. Das Opfer wird begutachtet, Zustand und Position für die weitere Versorgung an die anderen Einsatzkräfte durchgefunkt. Dann wird nach der anderen Frau gesucht. Immer wieder streut Caro Otto dabei das weiße Pulver aus, um so die Windrichtung zu prüfen. „Wir treffen uns jeden Samstag zum Training,“ schildert Franz Blaser, der Leiter der DRK-Rettungshundebereitschaft. Die Übungen dauern vier bis fünf Stunden und finden in wechselnden Waldgebieten statt. Nur bei 37 Grad hat das Team in diesem Sommer einmal auf die Übung verzichtet, um Mensch und Tier zu schonen. Von extrem hohen oder tiefen Temperaturen abgesehen, spielt das Wetter für die Übungen keine Rolle.

Etwa 15 Einsätze pro Jahr

Seit 15 Jahren gibt es die Rettungshundebereitschaft beim DRK-Kreisverband Ravensburg. „2018 hatte unser Team bisher acht Alarmierungen, wovon wir in fünf Fällen Personen suchen mussten“, lässt Franz Blaser wissen. Im Schnitt sind es 15 pro Jahr. Das Team ist vorwiegend im Kerngebiet Allgäu-Oberschwaben-Bodensee aktiv, wird aber auch zu Einsätzen bis nach Tuttlingen oder Reutlingen gerufen. Oft sind es alte oder verwirrte Menschen, mitunter Suizidgefährdete, manchmal auch Kinder, die verloren gegangen sind oder Menschen, die schlicht die Orientierung verloren haben. Wird die Suche zeitnah nach Eingang der Vermisstenmeldung gestartet, ist die Chance am größten, Vermisste rechtzeitig zu finden. In der Regel gelingt dies dem Ravensburger Team.

 

Voraussetzungen für die Ausbildung

Im Mochenwanger Wald sind an dem verregneten kalten Sommernachmittag neun Hundebesitzer mit ihren Hunden. Zwei der Teams sind geprüft. Für die etwa zweijährige Ausbildung mit dem Rettungshund ist eine Sanitätsausbildung und „Erste-Hilfe am Hund“ Voraussetzung. Die künftigen Einsatzkräfte müssen eine gute Orientierung haben, mit Funkgerät umgehen können und die Techniken der Sicherung beherrschen. Und vor allem müssen sie ihren Hund „lesen“ können, der wiederum auf den Hundeführer hören muss. Eine Mindestgröße der Hunde ist vorteilhaft, aber keine Bedingung. Nach bestandener Erstprüfung werden die Teams alle 18 Monate erneut geprüft.

 

Im Zentrum: das Opfer

Einige der Teams kommen erst seit kurzem zu den Übungen. Jaqueline Oelhaf ist eine der drei angehenden Ausbilderinnen. Heute macht sie allein das Training, die beiden anderen – Regina Huber-Kuhnle und Bernadette Schönebeck – sind im Rahmen ihrer Ausbildung bei der Rettungshundebereitschaft Rottweil zum Hospitieren. Jaqueline Oelhaf legt sich als Opfer in den Wald. Die Hunde lernen zuallererst, dass sie bei der gefundenen Person bleiben und mit Bellen auf sich und den Fund aufmerksam machen müssen. Sie coacht auch Caro Otto bei der Suche nach den Frauen und bescheinigt ihr und ihrem Hund danach sehr gute Arbeit. Für die beiden ist es die Vorbereitung zum geprüften Rettungshundeteam im kommenden Oktober. Ab Herbst gibt es mit Caro Otto und Wutz sicher ein weiteres geprüftes Team und somit Verstärkung der Rettungshundebereitschaft.

Anne Oschwald

24. September 2018 16:51 Uhr. Alter: 21 Tage