· Pressemitteilung

Bergwacht Ravensburg immer häufiger im Einsatz

Foto: DRK-Kreisverband Ravensburg e. V.
Foto: DRK-Kreisverband Ravensburg e. V.

Mehr Naturbesucher, neue Risiken und steigende Anforderungen – Rettung im Ehrenamt

Die Bergwacht Ravensburg im DRK-Kreisverband Ravensburg e. V. steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Immer mehr Menschen sind in der Natur unterwegs – im Schussental, in den Allgäuer Voralpen, im Donautal sowie in schwer zugänglichen Wald- und Wiesenlagen. Entsprechend nimmt auch die Zahl der Einsätze der ehrenamtlichen Retterinnen und Retter spürbar zu. Art, Umfang und Komplexität der Hilfeleistungen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Im Landkreis Ravensburg sind neben der Bergwacht Ravensburg auch die Einsatzkräfte der DRK-Bergwacht Isny aktiv.

„Wir erleben seit Jahren eine kontinuierliche Zunahme an Einsätzen – nicht nur zahlenmäßig, sondern auch in ihrer Komplexität“, beschreibt Markus Mayer, ehrenamtlicher Leiter der Bergwacht Ravensburg, die Entwicklung. „Die Anforderungen an unsere Einsatzkräfte sind deutlich gestiegen – medizinisch, technisch und zeitlich.“

Während früher vor allem klassische Wander- und Wintersportunfälle das Einsatzgeschehen prägten, ist das Spektrum heute erheblich breiter. Mountainbike- und E-Bike-Stürze, Gleitschirmnotlandungen, medizinische Notfälle in abgelegenen Gebieten sowie Suchaktionen nach vermissten Personen gehören inzwischen zum Alltag der Bergwacht Ravensburg. Sommer- und Wintersaison sind dabei nahezu gleich stark ausgelastet.

Mehr Menschen draußen – und ein älteres Publikum

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die stark gestiegene Nutzung von Natur- und Erholungsräumen auch hier in Oberschwaben. Gleichzeitig verändert sich die Altersstruktur der Menschen, die sportlich oder freizeitaktiv unterwegs sind. Touren, die früher überwiegend von jüngeren Personen unternommen wurden, werden heute zunehmend auch von älteren Menschen absolviert.

„Wir sehen immer häufiger internistische und kardiologische Notfälle im Gelände“, erläutert Dr. Daniel Hennecke, Bergwachtarzt der Bergwacht Ravensburg. „Herzinfarkte, Kreislaufzusammenbrüche oder schwere Erschöpfungszustände treten längst nicht mehr nur im urbanen Umfeld auf, sondern zunehmend auch bei Freizeitaktivitäten in der Natur. Die medizinische Erstversorgung unter diesen Bedingungen stellt besondere Anforderungen an Ausbildung, Ausrüstung und Zusammenarbeit.“

Für die Bergwacht bedeutet dies: Rettung ist längst nicht mehr nur technische Hilfeleistung, sondern immer häufiger hochqualifizierte medizinische Erstversorgung unter schwierigen Bedingungen – fernab befestigter Wege und regulärer Infrastruktur. Das sieht auch das Land Baden-Württemberg so und hat darum der Bergwacht Ravensburg ein neues Bergrettungsfahrzeug übergeben.

Wachsende Anforderungen an Ausbildung und Technik

Mit den steigenden Einsatzzahlen wachsen auch die Anforderungen an Ausbildung, Qualifikation und Ausstattung. Mehrere hundert Stunden Grundausbildung sind Voraussetzung für den aktiven Dienst. Hinzu kommen zahlreiche Zusatzqualifikationen, etwa in der Seil- und Luftrettung, im Umgang mit Drohnen – auch in Zusammenarbeit mit der neuen DRK-Drohnenstaffel in Vogt – bei der Suche vermisster Personen oder in der Kooperation mit Hubschraubern.

„Das Ehrenamt in der Bergwacht ist heute hochprofessionell“, betont Daniel da Silva, ebenfalls ehrenamtlicher Leiter der Bergwacht Ravensburg. „Unsere Einsatzkräfte investieren sehr viel Zeit in Ausbildung und Training – und das zusätzlich zu Beruf, Familie und privaten Verpflichtungen.“

Moderne Technik spielt dabei eine immer größere Rolle. Drohnen liefern wertvolle Lagebilder, geländegängige Fahrzeuge ermöglichen den Zugang zu schwer erreichbaren Einsatzorten. Gleichzeitig steigt die zeitliche Belastung der Ehrenamtlichen: Einsätze finden längst nicht mehr nur an Wochenenden statt, sondern zunehmend auch abends oder unter der Woche – und dauern nicht selten mehrere Stunden.

Katastrophenschutz rückt stärker in den Fokus

Auch der Katastrophenschutz gewinnt an Bedeutung. Extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Stürme oder Hochwasser führen dazu, dass die Bergwacht Ravensburg verstärkt dort eingesetzt wird, wo Straßen unpassierbar sind oder Ortschaften zeitweise abgeschnitten werden – zuletzt etwa beim Schussenhochwasser.

„Gerade bei solchen Lagen zeigt sich, wie wichtig spezialisierte Einheiten im Bevölkerungsschutz sind“, sagt Daniel da Silva. „Wir kommen dort zum Einsatz, wo klassische Rettungsmittel an ihre Grenzen stoßen.“

Ehrenamt braucht Rückhalt – und Verantwortung der Nutzer

Die Arbeit der Bergwacht Ravensburg ist nahezu vollständig ehrenamtlich organisiert und auf die Unterstützung durch Arbeitgeber, Fördermittel und Spenden angewiesen. Notfalleinsätze werden in der Regel von den Krankenkassen getragen. Gleichzeitig gibt es immer häufiger Situationen, in denen Hilfeleistungen eingeplant oder als Selbstverständlichkeit betrachtet werden.

„Eigenverantwortung ist ein zentraler Faktor für Sicherheit in der Natur“, ergänzt Markus Mayer. „Gute Vorbereitung, realistische Selbsteinschätzung und passende Ausrüstung helfen, Risiken zu minimieren – und entlasten zugleich die ehrenamtlichen Einsatzkräfte.“