Nach dem Erfolg beim bundesweiten Förderpreis „Helfende Hand“ erhält der Kinder-Krisen-Einsatzdienst des DRK-Kreisverbands Ravensburg e. V. erneut bundesweite Anerkennung: Das ehrenamtliche Projekt ist für den Deutschen Engagementpreis 2026 nominiert. Ende September entscheidet eine elfköpfige Jury über die Preisträger. Die Auszeichnung zählt zu den bedeutendsten bundesweiten Würdigungen für freiwilliges Engagement.
Der Deutsche Engagementpreis ist der Dachpreis für freiwilliges Engagement in Deutschland. Nominiert werden können ausschließlich Menschen und Projekte, die zuvor bereits mit einem Engagementpreis ausgezeichnet wurden. Insgesamt sind in diesem Jahr 626 Projekte und Personen aus ganz Deutschland nominiert.
Der Kinder-Krisen-Einsatzdienst hatte im Dezember 2025 beim vom Bundesinnenministerium vergebenen Förderpreis „Helfende Hand“ gleich zweimal überzeugt: Das Projekt erreichte den 1. Platz in der Kategorie „Innovative Konzepte“ Dieser Erfolg führte nun zur Nominierung für den Deutschen Engagementpreis.
„Dass unser Kinder-Krisen-Einsatzdienst nach der Helfenden Hand nun auch für den Deutschen Engagementpreis nominiert ist, freut uns sehr“, sagt Gerhard Krayss, Kreisgeschäftsführer des DRK-Kreisverbands Ravensburg e. V. „Noch wichtiger ist für uns aber die Aufmerksamkeit für ein Thema, das im Einsatzgeschehen lange zu wenig berücksichtigt wurde: Kinder und Jugendliche erleben Notfälle anders als Erwachsene und benötigen deshalb eine auf ihre Bedürfnisse abgestimmte psychosoziale Unterstützung.“
Seelische Erste Hilfe speziell für Kinder und Jugendliche
Der Kinder-Krisen-Einsatzdienst des DRK-Kreisverbands Ravensburg unterstützt Kinder und Jugendliche nach besonders belastenden Ereignissen. Speziell ausgebildete ehrenamtliche Einsatzkräfte leisten unmittelbar nach einem Ereignis kindgerechte psychosoziale Akuthilfe.
Die Einsatzanlässe sind vielfältig: beispielsweise die Reanimation oder der plötzliche Tod eines Familienmitglieds, schwere Verkehrsunfälle, Brände, Ertrinkungsnotfälle oder besondere Gefahrenlagen an Schulen.
Dabei geht die Unterstützung bewusst über die unmittelbare Akutsituation hinaus. Bei Bedarf können bis zu drei strukturierte Nachsorgetermine stattfinden. Die Einsatzkräfte erklären Kindern und Jugendlichen altersgerecht, was sie gerade erleben und welche Reaktionen nach einem außergewöhnlich belastenden Ereignis auftreten können. Gleichzeitig werden Eltern und andere Bezugspersonen darin unterstützt, die Reaktionen der Kinder besser einzuordnen und ihnen Sicherheit zu vermitteln.
„Kinder brauchen in Ausnahmesituationen Menschen, die ihnen Sicherheit und Orientierung geben und die ihre Reaktionen verstehen“, erklärt Ulrike Schmid aus der ehrenamtlichen Leitung des Kinder-Krisen-Einsatzdienstes. „Manchmal geht es um Worte und Erklärungen, manchmal einfach darum, da zu sein und auszuhalten. Entscheidend ist, dass Kinder mit ihrem Erleben und ihren Ängsten nicht alleinbleiben.“
Rund drei Einsätze im Monat
Der Kinder-Krisen-Einsatzdienst ist seit 2023 im Einsatz und wird durchschnittlich rund dreimal im Monat alarmiert. Das Angebot ergänzt die bestehenden Strukturen der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) um eine gezielt auf Kinder und Jugendliche ausgerichtete Hilfe.
Hinter dem Einsatzdienst steht ein breites Netzwerk. Dazu gehören unter anderem Polizei, Feuerwehr, Leitstellen, Schulen, Jugendamt und Traumaambulanzen. Fachliche und wissenschaftliche Erkenntnisse fließen kontinuierlich in die Ausbildung und Weiterentwicklung des Angebots ein.
„Das Besondere ist für uns die Verbindung aus qualifiziertem Ehrenamt, praktischer Einsatzerfahrung und einem starken Netzwerk“, sagt Michael Schulz aus dem ehrenamtlichen Leitungsteam. „Unser Wunsch ist, dass eine kindgerechte psychosoziale Notfallversorgung künftig an möglichst vielen Orten selbstverständlich wird.“
Entscheidung fällt Ende September
Über die Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Engagementpreises entscheidet Ende September eine elfköpfige Jury. Ausgezeichnet wird in den fünf Kategorien „Anstoßen“, „Verbinden“, „Verändern“, „Bewahren“ sowie „Ich für uns“. Die Preisträger erhalten jeweils 10.000 Euro.
Für den DRK-Kreisverband Ravensburg ist die Nominierung bereits die zweite große bundesweite Anerkennung innerhalb eines Jahres.
„Natürlich sind wir gespannt auf die Entscheidung der Jury“, so Krayss. „Die Nominierung ist aber schon jetzt eine enorme Wertschätzung für unsere Ehrenamtlichen. Sie investieren viel Zeit in Ausbildung, Bereitschaft und Einsätze und übernehmen Verantwortung in Situationen, die auch für die Helfenden nicht einfach sind.“
Die Gewinnerinnen und Gewinner des Deutschen Engagementpreises 2026 werden am 26. November 2026 im Colosseum Berlin ausgezeichnet.
Hintergrund: Deutscher Engagementpreis
Der Deutsche Engagementpreis ist der Dachpreis für zivilgesellschaftliches Engagement in Deutschland. Er würdigt Menschen und Projekte, die bereits mit einem Engagementpreis ausgezeichnet wurden, und macht herausragendes freiwilliges Engagement bundesweit sichtbar. 2026 wurden 626 Engagierte und Projekte von 170 unterschiedlichen Engagementpreisen nominiert. Seit 2024 wird der Deutsche Engagementpreis von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) ausgerichtet.
