· Pressemitteilung

DRK-Kreisverband Ravensburg bietet die Möglichkeit für Sozialstunden

Foto: DRK-Kreisverband Ravensburg e. V.
Emil Hager leistet seine 90 Sozialstunden bei den Hausmeistern des DRK-Kreisverbands Ravensburg ab.
Foto: DRK-Kreisverband Ravensburg e. V.
In guten Händen bei den beiden Hausmeistern des DRK-Kreisverbandes Ravensburg, Markus Vieweger (links) und Robert Ilijevic. Bei ihnen leistet Emil Hager seine 90 Sozialstunden ab.

Die Arbeit gibt auch wieder Routine.

Emil Hager (Name geändert) schrubbt den Boden der Waschhalle beim DRK-Kreisverband Ravensburg in der Ulmer Straße. Für kurze Zeit ist er Kollege der beiden Hausmeister der gemeinnützigen Organisation. Grund für seinen Einsatz ist eine Strafe, die er in Form von Sozialstunden anstelle einer Geldstrafe abarbeitet. 

Ertappt über Nachrichtenverlauf
Automatisch stellt sich die Frage, wofür jemand Sozialstunden abarbeiten muss. Emil Hager schildert, dass er gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen hat. Nicht nur, dass er selbst Betäubungsmittel konsumierte, sondern auch mit ihnen gehandelt hat. Auf die Schliche kam die Polizei dem 23-Jährigen, als sie die Chats auf dem Handy einer Freundin nachverfolgte, die bereits Probleme mit den Ordnungshütern hatte. Morgens um 6 Uhr klingelten drei Polizisten bei ihm zur Hausdurchsuchung, zwei legten ihn – filmreif – gleich auf den Boden. 90 Stunden hat das Amtsgericht Ravensburg schließlich als Strafe festgelegt. 

„Schwitzen statt Sitzen“
Statt der 90 Stunden wären 900 Euro fällig gewesen. Da er derzeit ohne Arbeit ist, hat sich der großgewachsene schmale Mann für die Sozialstunden entschieden. Die Adressen von möglichen Unternehmen und Institutionen bekam er über die Bewährungshelferin vom Jugendhilfeverein. Er entschied sich direkt für das DRK. Jeweils am Vormittag arbeitet er mit den beiden Hausmeistern zusammen, beziehungsweise erfüllt die von ihnen erteilten Tagesaufträge. Morgens macht er einen Rundgang, prüft, ob die Toiletten sauber sind, genügend Toilettenpapier parat und Desinfektionsmittel aufgefüllt ist, damit die Kursteilnehmenden ordnungsgemäße Räume vorfinden. Sperrmüll wegbringen, Pflanzen wässern oder das Saubermachen der Waschhalle gehören ebenfalls zu seinen Aufgaben. 

Gute kollegiale Basis
Von den harten und synthetischen Drogen, die er zur Finanzierung des eigenen Konsums auch verkauft hat, ist er seit zwei Jahren weg. Darunter waren Ecstasy und Kokain. „Es turnt mich ab, wenn ich schon drandenke“, sagt er. Dass er es ohne Entzug allein „herausgeschafft“ hat, macht ihn auch stolz. „Die Sozialstunden bringen Routine mit“, begründet der freundliche Mann seine Wahl. Hausmeister Markus Vieweger ist von seinem derzeitigen Mitarbeiter begeistert: „Er ist pflegeleicht.“ Sein Kollege Robert Ilijevic pflichtet ihm uneingeschränkt bei. 

Einige berufliche Erfahrungen
Nach der Werkrealschule ließ Emil Hager sich zum Einzelhandelskaufmann ausbilden. Derzeit konzentriert er sich auf die Wohnungssuche als oberste Priorität, da ihm die jetzige Wohnung zu teuer ist. Auch die Jobsuche hat er im Blick. Neben der Ausbildung bringt er Erfahrungen nicht nur aus dem Einzelhandel, sondern aus allerhand Arbeitsbereichen wie Versand und Fertigung mit. Die Aufgaben eines Hausmeisters könnte er sich auch vorstellen. Allerdings besitzt er keinen Führerschein, was für solch eine Tätigkeit in der Regel Voraussetzung ist. Mit den DRK-Hausmeistern sei es oft lustig. „Es sind nette Kollegen“, sagt er und grinst dabei einmal mehr. Die geleisteten Sozialstunden muss er dem Gericht bestätigt vorlegen. Die gewonnen Erfahrungen helfen ihm vielleicht auch bei der Findung der nächsten beruflichen Tätigkeit. Lehrreich waren sie allemal.

Beim Roten Kreuz sind alle Menschen, welche zur Ableistung von Sozialstunden, egal welchen Alters oder welcher Deliktursache verurteilt wurden, herzlich willkommen.