· Pressemitteilung

PSNV im Landkreis Ravensburg feiert 25-jähriges Jubiläum

Foto: Anne Oschwald, DRK
Foto: Anne Oschwald, DRK
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Foto: Anne Oschwald, DRK

Vorbild und Leuchtturm in der „Seelenarbeit“.

Die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) leistet „Erste Hilfe für die Seele“ und „Seelenarbeit“: Solche Bezeichnungen fielen gehäuft beim Festakt des DRK-Kreisverbandes Ravensburg zum 25-jährigen Bestehen der PSNV. Mitgefeiert beim Jubiläum haben Vertreterinnen und Vertreter der Partnerorganisationen und des Landkreises Ravensburg. Als Gastredner konnte Prof. Dr. Harald Karutz, Professor für Psychosoziales Krisenmanagement, gewonnen werden. 

Nach dem ungezwungenen Ankommen, dem musikalischen Auftakt im Foyer durch die fünfköpfige Oberschwaben-Brass aus Aulendorf hob DRK-Präsident Marc Hengge bei der offiziellen Begrüßung der Gäste die wichtige Aufgabe des PSNV hervor, nämlich Menschen in psychologischen Ausnahmesituationen zu unterstützen. In den Grußworten wurde durchweg gedankt und Glückwünsche zum Jubiläum ausgesprochen. Sandra Bergmann, die Bundesfachberaterin PSNV, schilderte eindrücklich, wie Krisen und Katastrophen ein Leben verändern. Sie teilen es in ein Davor und ein Danach. Zu den PSNV-Engagierten meinte sie: „Ihr seid diejenigen, die da sind, wenn ein Leben zusammenbricht.“ Das Schicksal lasse sich nicht ändern, aber man könne beitragen, wie Menschen sich erinnern werden. Tina Schädler, Dezernentin für Bürgerservice, Gesundheit und Migration beim Landratsamt Ravensburg nannte das Engagement des PSNV „Erste Hilfe für die Seele“ und „gelebte Menschlichkeit“. Der Dienst sei eine tragende Säule im Sicherheits- und Sozialgefüge. Das Ehrenamt mit einem hohen professionellen Anspruch verdiene höchsten Respekt und auch Unterstützung. 

Heute ist man besser vorbereitet
Björn Maurer, Polizeivizepräsident am Polizeipräsidium Ravensburg, schilderte, wie es für ihn als junger Polizeibeamter war, die erste Todesnachricht zu überbringen. „Wir waren nicht gut vorbereitet. Heute: ja,“ meinte er zu den rund 80 Gästen. „Was Sie machen, ist Seelenarbeit.“ In diesem Zusammenhang lobte er auch den Kinder-Krisen-Einsatzdienst des PSNV, der erst vor vier Jahren ins Leben gerufen wurde und im vergangenen Jahr bereits den wichtigen Ehrenamtspreis „Helfende Hand“ vom Bundesinnenministerium für innovative Projekte erhielt. Dieser Dienst ist in Süddeutschland einmalig, lediglich in Hamburg gibt es einen solchen.

Stephan Wiltsche, Sprecher des PSNV-Kooperationsverbunds im Landkreis Ravensburg, schilderte die Entstehungsgeschichte des PSNV vor etwa 25 Jahren, der das jüngste Kind im Rettungswesen sei, und für den nach und nach die Hilfsorganisationen wie Johanniter und Malteser, aber auch die Kirchen zu gewinnen waren. „Die Geburt war keine leichte“, schilderte er die Situation. Katastrophen wie der Flugzeugabsturz in Überlingen 2002, rückten die PSNV jedoch stärker in den Blick und ins Bewusstsein des Rettungswesens. 

Schwere Einsätze nehmen zu
Moderatorin Uli Schmid – zusammen mit Michael Schulz Sprecherin des Kinder-Krisen-Einsatzdienstes – betonte in ihren Ausführungen die Zunahme der schweren Einsätze in den vergangenen Jahren. 2025 waren es 141 Einsätze mit insgesamt 1100 Stunden mit 6000 gefahrenen Kilometern. Bei rund der Hälfte der Einsätze waren Kinder mitbetroffen, deren „Seelenwunden“ mit besonders viel Feingefühl und altersgerecht behandelt werden müssen. Ein starkes Netzwerk aus zwölf PSNV-Helferinnen und -Helfern reagiert auf die psychosozialen Bedürfnisse der Betroffenen. Besonders dankte Schmid auch den Partnern im PSNV-Kooperationsverbund im Landkreis: den Maltesern, Johannitern, THW, der Feuerwehr, Polizei, Schulpsychologen und Kirchen. 

Manche Kinder sind vorbelastet
Den Gastredner Prof. Dr. Harald Karutz stellte sie dem Publikum als brillanten Wissenschaftler, sowie Praktiker und tollen Menschen vor. Der Erziehungswissenschaftler, der in Notfallpsychologie promoviert hat, schilderte die Situation von Kindern und Jugendlichen, die Krisen und Katastrophen ausgesetzt sind. Er zeigte auf, wie sich die unruhigen und turbulenten Zeiten auf sie auswirken. Für die PSNV sei dies relevant, da Kinder, die akut von einem Unglück betroffen sind, ohnehin schon vorbelastet sind. Deutschland sei kein kinderfreundliches Land, Kinder hätten hier keine Lobby. In einer Studie zur Lebenszufriedenheit von Kindern landet Deutschland im Vergleich von 26 OECD-Staaten lediglich auf Platz 16. So waren sie die „Hauptleidtragenden“ der Corona-Pandemie und ihres Managements, die Jahre 2020 bis 2023 mit Verzichts- und Verlusterfahrungen für sie verbunden, die „eben nicht ohne Weiteres aufzuholen sind“. Es ist davon auszugehen, dass 15 bis 25 Prozent der Kinder in Deutschland deutlich von der Pandemie beeinträchtigt waren und weiterhin sind. Es gibt aber auch ein gute Nachricht: Die große Mehrheit der Kinder hat die Pandemie recht gut überstanden. Aber die Krisen hören nicht auf: Seit mehr als vier Jahren landen mit den Nachrichten auch Bilder von Zerstörungen, Trümmerbergen und weinenden Menschen aus der Ukraine und neuerdings aus dem Nahen Osten in den Wohn- und Kinderzimmern. Bilder von Flutkatastrophen, Waldbrände, Bergstürze kommen obendrauf. 

Ressourcen und Widerstandskraft nutzen
Der Wissenschaftler stellte den Problemen aber auch Lösungen gegenüber. „Zunächst einmal sollten wir Kindern Räume und Zeiten von Schutz und Sicherheit geben“, sagte er. Es brauche unter anderem kindgerechte Informationen, um „Katastrophenkompetenz“ entwickeln zu können. Aus Sicht von Karutz müssen Kinder mehr einbezogen werden, weniger über sie als vielmehr mit ihnen gesprochen werden. In den Fokus sollten ihre Ressourcen, ihre Widerstandskraft und ihre Kreativität rücken. Denn: Die Mehrheit der Kinder ist stark und resilient. 

Das PSNV-System im Landkreis Ravensburg lobte er und hob  besonders den Kinder-Krisen-Einsatzdienst hervor. „Ihr habt hier ein wirkliches Leuchtturmprojekt aufgebaut, das es eigentlich überall geben sollte und das es eigentlich überall geben müsste.“

Danksagung und Verabschiedung
Der schwäbische Kabarettist Wolfgang Heyer brachte die Anwesenden gegen Ende des Abends noch einmal zum Lachen. Abschließend bedankte sich DRK-Kreisgeschäftsführer Gerhard Krayss bei allen, die den Abend ermöglichten, sowie allen PSNV-Akteuren und Sprecherinnen und Sprechern, und besonders bei den Gründerinnen Anneliese Heinz und Lisa Keller.